Die Kaffeerostkrise in Peru

Der Kaffeerost ist ein Pilz, der Kaffee-Pflanzen befällt und die gleichnamige Erkrankung auslöst. Dabei handelt es sich um die wirtschaftlich bedeutendste Krankheit dieser Kultur.

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Kaffeerost an der Blattunterseite (Hemileia vastatrix )

Herkunft und Ausbreitung:
Ursprünglich war Kaffeerost mit seinem Genpool in Zentral- und Ostafrika und seit 1868 auf die Alte Welt (Afrika, Asien und Australien) beschränkt, bevor er 1903 erstmals in Puerto Rico beobachtet wurde. 1970 sprang die Pilzerkrankung epidemisch auf brasilianische Kaffeeplantagen von Minas Gerais bis hin zu den Intensivkulturen in Paraná und Santa Catarina über und von dort aus über Kolumbien nach Mittelamerika, wo der Pilz sehr große wirtschaftliche Schäden verursachte. Die Schäden können 30 % bis 80 % der Pflanzen betreffen oder sogar zu kompletten Ernteausfällen führen.
Die orangefarbenen Sporenlager finden sich auf der Blattunterseite. Besonders gefährdet sind sehr junge und ältere Blätter.

Trockenperioden überdauert der Pilz in den befallenen Pflanzen und kann nach Regen sofort sporulieren und sich auf weitere Pflanzen ausbreiten. Zu Beginn der Regenzeit kann es zu großen Epidemien kommen, da sich die Sporen durch den Aufschlag der Regentropfen rasch verbreiten. Auch Insekten können die Sporen übertragen. Das Temperaturoptimum von Kaffeerost liegt bei 21 bis 25 °C. Die Sporen sind 2–15 Tage lebensfähig und können in befallenen Samen über weite Strecken transportiert werden. Von den insgesamt 40 Pilz­rassen erweist sich Rasse II als besonders infektiös.

Symptome:
Kaffeerost befällt Arabica-Sorten und führt durch die Besiedlung der Blätter zu Laubabwurf der Sträucher. Insgesamt wird das vegetative Wachstum der Pflanzen stark geschwächt und bei Massenbefall können ganze Bestände absterben. Auf den Blättern bilden sich kreisrunde weiße bis gelbliche Flecken unterschiedlicher Größe, teilweise mit einem Sporenbelag. Befallene Blätter werden nekrotisch und sterben nach kurzer Zeit ab.

Bekämpfung:
Über ein Jahrhundert lang verhinderten strenge Pflanzenquarantänemaßnahmen, dass der Kaffeerost von der Alten Welt in mittel- und südamerikanische Pflanzungen übertragen wurde. Über die Verbreitung wurde spekuliert, möglicherweise durch Passatwinde, infizierte Kaffeebohnen oder Sporenbewuchs auf Wirtspflanzen wie Gardenien. Als die Barriere des Atlantischen Ozeans in den 1970er Jahren überbrückt wurde, verbreitete sich der Pilz rasant über die Luft auf alle brasilianischen Plantagen. Als sich der Kaffeerost von Süden nach Norden über die mittelamerikanische Landbrücke ausbreitete, kam es rasch zu verheerenden Epidemien. Teilweise kam es zu Totalausfällen und die befallenen Pflanzen mussten gänzlich vernichtet werden.
Kaffeeanbau mit und ohne Schattenbäume bietet Vorteile. Kulturen ohne Schattenbäume lassen sich bei akutem Befall leichter mit Fungiziden bearbeiten. Kaffee mit Schattenbäumen reduziert die Taubildung auf den Kaffeepflanzen und somit eine größere Ausbreitung. Die Höhe der Stickstoffdüngung kann das Auftreten von Kaffeerost maßgeblich beeinflussen.

Wirtschaftliche Bedeutung:
Die aktuelle Kaffeerostkrise in Peru begann mit der Ernte Juni bis August 2013. Die Kaffee-Ernte ist durch die Krankheit um 30 % zurückgegangen. Das ging einher mit einem Absterben von ca. 40 % der Kaffeepflanzen. Der Ernteeinbruch zusammen mit einem historisch niedrigen Börsenpreisniveau von 1.15 $ pro Pfund im Juli 2013 hat dazu geführt, dass die Kaffeeeinnahmen nicht einmal kostendeckend waren.
Da gleichzeitig fast alle Kaffeekleinbauern den Anbau des Kaffees mit Krediten finanzieren – für die sie bis zu 30 % Zinsen zahlen müssen – hatte das zur Folge, dass die Bauern ihre Kredite nicht zurückzahlen konnten.
Als Ergebnis eines nationalen Streiks der Kaffeebauern im Oktober 2013 hat sich das Landwirtschaftsministerium bereiterklärt alle Kredite der Kaffeebauern aufzukaufen und innerhalb der nächsten 8 Jahre zu finanzieren. Damit haben die Bauern Zeit, durch erwartete bessere Ernten die Kredite zurückzuzahlen.
Darüber hinaus bekamen die Bauern als Direkthilfe Dünger für EINEN Hektar Land für EINE von drei Düngungen. Zusätzlich gibt es Kredite für die Anpflanzung und Düngung von EINEM Hektar Land mit NEUEN Kaffeepflanzen.
Somit sind die wirtschaftlichen Folgen des Kaffeerostes abgemildert und dem Kleinbauern (insbesondere für die mit 1 bis 3 Hektar) wird eine Zukunftsperspektive geschaffen. Der größere Teil der finanziellen Belastung bleibt jedoch bei den Bauern selbst.

Mit den Leistungen des Staates in 2013 wurde noch keine Vorsorge für die Situation in 2014 getroffen

Für die Ernte 2014 wird ein weiterer Ernterückgang von mindestens 30 % erwartet, mit nochmals niedrigeren Börsenpreisen. Das neu angepflanzte Hektar Land trägt in 2014 noch keine Ernte, muss aber intensiv gedüngt werden.
Das wird dann zu einer noch viel stärkeren finanziellen Krise für die Kaffeebauern führen, die sicherlich wieder in nationalen Streiks enden werden.
Erst im Jahr 2015 wird dann wahrscheinlich eine Besserung der Ernteerträge, auch durch die neu angepflanzten Kaffeesträucher, eintreten. Es gibt auch Prognosen, dass dann die Kaffeepreise wieder steigen werden.

 

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Die Setzlinge werden von den Bauern selbst aufgezogen

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