Dario Fundes Gutierrez

Mitbegründer und Produktionsleiter der Plantage ‘Asociación Grano de Oro’

2013 stellte sich Walter Knauer in der Murnauer Kaffeerösterei vor. Sein Ruf als angehender Rohkaffeehändler aus Peru eilte ihm bereits in der Branche voraus. Anfänglich versuchte Thomas Eckel Herrn Knauer von seinem riskanten Projekt abzuhalten.

Nachdem er sich jedoch selbst ein Bild vor Ort gemacht hat, war er so begeistert, dass er eine Partnerschaft mit der Asociación Grano de Oro eingegangen ist. Bei diesem Besuch lernte Thomas Eckel einen einzigartigen Menschen kennen:

Dario Fundes Gutierrez.

Senior Fundes, wenn man über Sie spricht, dann spricht man immer auch über Kaffee und Ihr inniges, langjähriges Verhältnis zu der Pflanze. Wann genau trat der Kaffee in Ihr Leben?

D.F. Mit Sechzehn kam ich zusammen mit meinem älteren Bruder aus dem Süden von Peru, in der Nähe von Cusco nach Norden in die Gegend Chanchamayo, „para buscar vida“ um mir ein besseres Leben aufzubauen. Die Bezahlung als Landarbeiter war zwar gering und die Arbeit anstrengend, aber wir haben mehr verdient, hatten mehr Perspektive, als in dem Ort, wo wir aufgewachsen waren. Noch heute gehört die Region Apurimac zu den Ärmsten in Peru.

Ich habe dann etwa sechs Jahre mit meinem Bruder auf verschiedenen Farmen gearbeitet, bis ich im Rahmen eines staatlichen Projekts zur Besiedelung von Land relativ billig Anbaufläche in Miguel Grau kaufen konnte. Damit hatten wir die Möglichkeit, eigenen Kaffee anzubauen und uns auf diese Art und Weise selbstständig zu machen.

Natürlich konnten wir nicht sofort ernten und unseren eigenen Kaffee verkaufen, aber wir hatten endlich unsere eigene „Chacra“- unsere eigene kleine Kaffeefarm!

Also waren Sie mit knapp 24 Jahren schon stolzer Besitzer einer Farm, auch wenn Sie damit nicht sofort Geld verdienen konnten. Hatten Sie denn neben dem Kaffee noch andere Einnahmequellen?

D.F. Nein. Mein Bruder und ich, wir haben uns ganz und gar auf den Anbau von Kaffee konzentriert. Auf 25 Hektar Land hatten wir circa 1.600 Pflanzen pro Hektar kultiviert, und nur für den Eigenbedarf pflanzten wir ein paar andere Lebensmittel wie Bananen, Avocados und Yucca. Denn wir wussten, bis die erste Ernte kommt werden wir keine Einnahmen und somit auch kein Geld für Nahrungsmittel haben.

Nach drei Jahren unter schwersten Lebensumständen konnten wir zum ersten Mal unseren eigenen Kaffee verkaufen, wobei die Menge natürlich relativ klein war. Doch dann wuchs der Ertrag von Jahr zu Jahr. In den 70ern hatten wir so viel Geld verdient, wie wir es zuvor noch nie gesehen hatten und konnten ordentlich in die Farm investieren. Nachdem unser altes Holzhaus abgebrannt war, begannen wir mit dem Bau des Steinhauses, in dem wir seit 1978 alle zusammenwohnen.

Obwohl ich immer wieder harte Rückschläge erleben musste, hatte ich nie daran gedacht, meinen Besitz zu verkaufen und mir eine andere Lebensgrundlage zu suchen.

Welche Art von Rückschlägen meinen Sie?

D.F. Nachdem gegen Ende der 70er Jahre das große Geldverdienen langsam zu Ende ging, musste ich den Verlust meines Bruders ertragen, der durch einen tragischen Unfall ums Leben kam und ich so eine wichtige familiäre Bezugsperson verlor.

Ein weiterer Rückschlag war der Umstand, dass mich die Terroristengruppe „Sendero luminoso“ auf ihre Todesliste gesetzt hatte, weshalb ich in eine andere Stadt, nach San Ramon, fliehen musste und von dort circa drei Jahre lang nicht zurückkehren konnte.

Als die Rebellen endlich besiegt waren, fand ich eine von Unkraut überwucherte, völlig der Natur überlassene

Kaffeeplantage vor und musste erst einmal sehr viel Zeit und Arbeit in die Wiederherstellung des vorherigen Zustands investieren. Hinzu kam, dass ich nicht wie in den Zeiten, als ausreichend Geld da war, genügend Leute einstellen konnte, um mir bei den Arbeiten zu helfen, sondern nur meine Familie zur Unterstützung hatte.

Der bürgerkriegsähnliche Terror tobte Anfang der 90er Jahre, hat sich nach dem Wiederaufbau der Farm in den letzten zwanzig Jahren viel verändert?

D.F. Ja, grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir, wenn auch mit Hilfe neuer Techniken und agrarwissenschaftlicher Erkenntnisse, unsere Anbauweise drastisch verändern mussten, da sich in den letzten Jahren die Widerstandsfähigkeit und somit letztendlich auch die Ertragskraft der Pflanzen stark verschlechtert hat. Am Anfang konnten wir einen Samen in die Erde drücken und mit genügend Wasser und Sonnenlicht wuchs daraus eine solide Kaffeepflanze mit einer ordentlichen Menge an Kaffeekirschen. Doch nach ungefähr zehn Jahren hat der Nährstoffgehalt der Böden so sehr abgenommen, dass wir zusätzlich düngen mussten, damit die Setzlinge überleben und gedeihen konnten.

2003 haben wir uns dann entschieden den Kaffee biologisch anzubauen, da wir für die Art und Weise wie der Kaffee bisher angebaut wurde, mit künstlichen Düngemitteln und anderen Chemikalien zur Schädlingsbekämpfung keine Abnehmer mehr gefunden hätten. Also ließen wir dies wegfallen, woraufhin die Ernte dramatisch zurückging und wir am Ende nur auf fünfundzwanzig Prozent des bisherigen Ertrags kamen. Hinzu kam die Krankheit „la roya“, bei der die Blätter der Pflanze angegriffen werden, diese dann absterben und die Pflanze nur noch unzureichend mit Nährstoffen versorgt wird und letztlich auch stirbt – sie hat mir beinahe den gesamten Bestand an Kaffeepflanzen zerstört. Momentan probieren wir in Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Wissenschaftlern einen neuen Weg aus, indem wir zwar nur auf insgesamt 4 Hektar Land Kaffee anbauen und nicht wie früher fünfundzwanzig Hektar bewirtschaften, jedoch die Anzahl der Pflanzen pro Hektar von tausendsechshundert auf fünftausend erhöhen. Wir erhoffen uns natürlich dadurch die Ernteerträge wieder anzuheben und von den fünfundzwanzig Prozent des ehemaligen Ertrags auf vierzig Prozent oder mehr zu kommen.

Der international bekannte Spitzenkoch Gaston Acurio, Galionsfigur der neuen peruanischen Küche ‚Nova Andina‘, hat Sie als den besten Vertreter für Kaffee und peruanische Kaffeequalität auserwählt. Wie kam es dazu bzw. wie haben sich Ihre Wege gekreuzt?

D.F. Für mich war es, als ich hier in der Gegend anfing zu arbeiten und schon einiges über Kaffee gelernt hatte, von Anfang an klar, dass die Lage Chanchamayos einen Kaffee von hoher Qualität hervorbringt, und mir war auch klar, dass man mit qualitativ hochwertigem Kaffee gutes Geld verdienen kann.

Meine Plantage verfügt mit ihrer Höhenlage schon über eine sehr gute Ausgangsvoraussetzung um gute Qualität zu schaffen, welche durch den Anbau qualitativ hochwertiger Sorten wie Typica oder Caturra letztlich auf eine 86er Bewertung in der Tasse kommen kann. So habe ich dann auch mit meinem Kaffee den nationalen Wettbewerb „Grano de Oro“ gewonnen, woraufhin Gaston Acurio Interesse gezeigt hat, mehr über meinen Kaffee zu erfahren. Schließlich haben wir unsere Asociación Grano de Oro in Miguel Grau gegründet, mit mittlerweile fast sechzig Mitgliedern.

Wann kam die Idee auf, neben Kaffee auch Cascara, den Kaffeekirschentee, zu verkaufen und was versprechen Sie sich davon?

D.F. Prinzipiell ist es so, dass wir das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche trocknen und weiter zu Tee verarbeiten und das so genannte Pergamino, die Haut der Kaffeebohne, die sich beim Trocknungsprozess von dem exportfähigen grünen Kaffee trennt, als Brennmaterial verwendet wird.

Somit haben wir schon erreicht, dass neben der Kaffeebohne auch der Rest der Frucht optimal genutzt wird und nicht als Abfallprodukt endet. Für uns ist das natürlich lukrativ, da wir aus einer Kirsche jetzt mehr Ertrag erwirtschaften können ohne den Produktbereich bzw. den Absatzmarkt wechseln zu müssen. Obwohl wir erst vor ca. einem Jahr angefangen haben, Cascara herzustellen, wurde uns von unseren Handelspartnern in Deutschland zugesagt, dass der Tee schon eine gewisse Aufmerksamkeit erreicht hat und als neues Trendprodukt durchaus in der Lage sein sollte, die Nachfrage deutlich zu steigern. Neben dem leichten Kaffeearoma enthält der Tee fast doppelt so viel Koffein als normaler Kaffee und ist somit natürlich für Koffeinjunkies genau das Richtige.

Zugegeben war die erste Antwort au die Frage, was sich Dario Fundes von dem Verkauf des Tees verspricht eher einfach gehalten und kam mit einem leichten Schmunzeln auf den Lippen:

D.F. la plata“ – das Geld. Im Ernst – logischerweise ist die Schaffung eines gerechten Einkommens für uns Kaffeebauern ein wichtiger Aspekt. Jedes neue und erfolgreiche Projekt der Asociación Grano de Oro, sichert auch unsere Zukunft.

Das Gespräch führte Lisa Mucha

Auch die Murnauer Kaffeerösterei als einer der Abnehmer des Cascara und Partner in dem ‘Coffee Cherry Tea-Peru’ Projekt sorgt mit Ihrer Direct-Trade Philosophie für einen fairen Preis beim Ankauf von hochqualitativem Kaffee und Kaffeekirschentee.