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Der Weg von Lima über La Merced nach Yurinaki

Im Jahr 1969 begann die Regierung von Peru den Urwald in der Gegend von Miguel Grau zu verschenken. Wer wollte, konnte sich als Einzelperson bis zu 32 Hektar unberührten Urwald überschreiben lassen. Als Dokument bekam jeder einen Plan, der die Lage des Grundstücks genau beschrieb. Viele der Kolonisatoren waren ehemalige Landarbeiter und Erntehelfer aus dem nahegelegenen Gebiet von Villa Rica. 1970 gegründeten ca. 20 Kolonisten den Ort Miguel Grau. Sie erbauten rund um das heutige Zentrum ihre Fincas, die zuerst einfache Hütten aus Bananenblättern waren und später durch Häuser ersetzt wurden.

Die ersten Familien mussten zu Fuß von Yurinaki (dem nächstgelegenen Ort), auf einem Trampelpfad, jeweils 30 Kilo Lebensmittel und Kochutensilien auf dem Rücken, die Andenhänge hoch schleppen. Ein paar Hühner, Meerschweinchen und eine Hütte aus Bananenblättern war alles, was sie hatten.

Zuerst wurde ein Stück Urwald für densb 13 Anbau von Jukka (ähnlich wie Kartoffeln) sowie Mais und Bohnen gerodet, um die Ernährung zu sichern.
Dann wurde der erste Hektar Urwald gerodet. Das Abholzen der Sträucher und kleine Bäume von einem Hektar, ausgerüstet nur mit Axt und Machete, dauerte ca. acht Tage. Auf diesem Hektar wurde dann Kaffee angepflanzt. Ohne vorher Setzlinge zu züchten, wurden Kaffeebohnen einfach direkt in die Erde gesteckt.
In den nächsten Jahren wurde dann noch ein weiterer Hektar Urwald pro Jahr gerodet.
Im Jahr 1966 gründeten 50 Männer und Frauen die Kooperative La Florida. Die Kooperative hat heute an die 1000 Mitglieder und produziert auf über 6000 Hektar ca. 7000 Tonnen Kaffee von unterschiedlicher Güte.

In der abgelegenen Region Chanchamayo wächst ein hervorragender Kaffee, dennoch führten die Menschen in der abgelegenen Region ein sehr bescheidenes Leben. Die Kaffeebauern hielten zwar den Anbau in ihren Händen, hatten aber Kaffee aus unterschiedlichsten Höhen mit vielen Varietäten und unterschiedlichsten Qualitäten aus der Ernte als auch aus der Weiterverarbeitung.
Dieses Ungleichgewicht wollten die 50 Männer und Frauen ändern, die zu diesem Zweck im Jahre 2011 die „Asociación de Agricultores Grano de Oro Miguel Grau“ gegründet haben.

1971 hatte die Kooperative La Florida dann genug Geld um sich einen „Caterpillar“ (= Planierraupe) zu kaufen. Mit dieser Raupe wurde dann 1971 der Dorfplatz geschaffen, indem einfach die Spitze eines Hügels abgetragen wurde, bis ein ebener Platz von der Größe von ca. zwei Fußballfeldern geschaffen worden war – der Dorfplatz von Miguel Grau!!

Im selben Jahr wurde von den Kolonisten in dem gerade entstandenen Dorf eine erste Schule aus Holz für die Kinder gebaut. In den ersten zwei Jahren der Schule wurde auch der Lehrer von den Kolonisten bezahlt. Später wurde die Schule zur staatlichen Schule Nr. 30912. Im Jahr 1981 wurde dann ein Schulgebäude aus Stein gebaut, das bis heute als Schule von Miguel Grau dient.
1972 wurde die erste Straße nach Miguel Grau gebaut. Ohne ordentliche Befestigung, bildeten sich viele Schlaglöcher und die Strecke war daher nur sehr langsam und mühselig befahrbar.
Erst 2006 wurde dann die Oberfläche der Straße mit Sand und Steinen so befestigt, dass sie fast das ganze Jahr über befahrbar ist. Heute wird die Straße jährlich mit schweren Baumaschinen sehr gut ausgebessert.
1973 wurde ein Friedhof gebaut. Dafür schenkte der Staat der Gemeinde Miguel Grau einen halben Hektar Land. Auf dem Friedhof sind heute 35 Kolonisten beerdigt. Es gibt keine katholische Kirche. Einmal im Monat kommt ein Priester ins Dorf, um dort eine Messe zu lesen
1990 bis 1994 herrschte eine schlimme und einflussreiche Zeit des Leuchtenden Pfades (Sendero Luminoso) für das ganze Land. Diese kommunistische Guerillaorganisation destabilisierte und beeinflusste das Leben auch im Dorf. Immer wieder kamen die Kämpfer des Leuchtenden Pfades im Dorf vorbei und zwangen die Bewohner sie mit Lebensmitteln zu versorgen. 1992 wurden von der Guerillaorganisation schwarze Listen von vermeintlichen Kapitalisten erstellt, die getötet werden sollten. Auf den Listen waren viele Finca-Besitzer aus dem Dorf. Diese einfachen Leute waren in den Augen der Sandinisten bereits Kapitalisten, obwohl sie mit ihrer Hände Arbeit das Land gemacht haben.

Aufgrund der Bedrohung wurden 1991 die Kinder aus dem Dorf in die Stadt nach Yurinaki oder La Merced gebracht. Sie wohnten dort und gingen auch dort zur Schule. 1992 ist auch der Großteil der Dorfbewohner für ein halbes Jahr nach Yurinaki, Perene und La Merced geflüchtet.

Als die Gefahr vorüber war und die Dorfbewohner wieder zurückkamen, war ihre Kooperative in La Florida, sowie ein paar Häuser im Dorf niedergebrannt. Die meisten Häuser sind jedoch erhalten geblieben. Allerdings gab es kein Vieh mehr und die Kaffeeplantagen waren völlig mit Unkraut überwuchert. Das führte zu einem totalen Ernteausfall. Es dauerte über zwei Jahre, ehe wieder normale Verhältnisse herrschten. Diese Zeit hat einen tiefen Schock bei den Dorfbewohnern hinterlassen, der bis heute allgegenwärtig ist.
Die Entwicklung der Anzahl von Grundbesitzen in Miguel Grau ist ist in den vergangen Jahrzehnten kontinuierlich angestiegen. 1970 waren es 20, 1980 dann 30, 1990 dann 40 und ab 2010 sind es konstant 50. Wobei die Steigerung der Anzahl der Besitzer fast ausschließlich durch Vererben entstanden ist. Im Schnitt sinkt also die Grundstücksgröße pro Besitzer, da Erbteilung herrscht. Das Grundstück wird immer unter allen Kindern gleichmäßig aufgeteilt.
Die Kolonisten musste unter großen Anstrengungen und Opfern das Land bewirtschaften. In den ersten zehn Jahren ging es kontinuierlich aufwärts und die Bauern erlebten 1990 eine Blütezeit mit sehr gutem Einkommen.
Dann kam der Einbruch durch den Sendero Luminoso, dazu die schwachen Börsenpreise um 1992/1993. Bis zu diesem Zeitpunkt brauchte noch kein Geld in Dünger investiert werden, weil der Urwaldboden so fruchtbar war. Bedingt durch hohe Börsenpreise kam 1993 der zweite große Aufschwung.

Leider ist der Börsenpreis sei 2000 wieder sehr stark eingebrochen und zudem wurde im ganzen Land auf Bio-Produktion umgestellt, was teurere Bio-Düngemittel erforderte. Durch den Bio-Anbau verminderte sich auch die Produktionsmenge.

In dieser Zeit begann die Auszehrung der Fincas.

Bedingt durch die prognostizierte wirtschaftliche Situation und den ständig kleiner werdenden Flächen pro Finca wird klar, dass die Lage der einzelnen Kleinbauern der Asociación de Agricultores Grano de Oro Miguel Grau prekär ist.

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Damit der Dorfplatz entstehen konnte, wurde die Bergspitze mit einer Planierraupe weg geschoben

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Ausblick vom Dorf über die Andenhänge in Richtung Amazonasgebiet

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… fast fertig getrocknet

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.. vor dem Schälen

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Trockenfläche auf Folie, damit der Kaffee nicht mit Erde in Berührung kommt

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..die ganze Familie ist stolz auf die Ernte